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game/Koelnmesse: Es geht um mehr als Besucher- und Ausstellerrekorde

Die Steigerung der Aufenthaltsqualität auf der gamescom hat für game und Koelnmesse 2019 eine besonders hohe Priorität. Doch auch sonst hatte man bei der Vertragsverlängerung die strategische Weiterentwicklung der Messe besonders im Blick, sagen Christoph Werner, Mitglied der Koelnmesse-Geschäftsführung, und game-Chef Felix Falk im Interview.

04.04.2019 11:40 • von

Mit dem neuen Vertrag zwischen game und Koelnmesse ist nun klar, dass die gamescom in den kommenden Jahren in Köln stattfinden wird. Wie liefen die Verhandlungen?

Felix Falk: Die Verhandlungen verliefen insgesamt sehr gut. Wir haben uns hierbei aber auch viel Zeit genommen, um nicht einfach nur die bisherige Zusammenarbeit fortzusetzen, sondern auch mit Blick auf die kommenden Jahre viele strategische Entscheidungen zu treffen und in diesem Zuge auch die Partnerschaft weiterzuentwickeln. Nach über zehn Jahren gamescom haben sich das Event und die Marke eindrucksvoll etabliert. Jetzt muss es in den kommenden Jahren um mehr gehen als neue Rekorde bei Besuchern, Ausstellern und Quadratmetern. Wir wollen die dynamischen Entwicklungen der Games-Branche noch schneller und besser auf der gamescom abbilden. Darum ist der neue Vertrag nicht einfach nur eine Verlängerung der bisherigen Zusammenarbeit, sondern auch eine Vertiefung der Partnerschaft zwischen game und Koelnmesse.

Christoph Werner: Das kann ich so unterschreiben und ergänzen, dass es insgesamt ein intensiver Austausch war, bei dem wir vor allem ein gemeinsames Ziel hatten: Die gamescom in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln und für alle Messeteilnehmer noch attraktiver zu gestalten. In einer so dynamischen Branche und auch im heutigen Messegeschäft ist Stillstand ein Rückschritt. Daher haben wir sowohl kurzfristige Quick Wins definiert, aber vor allem auch neue Ideen und strategische Weiterentwicklungen aufgezeigt, diskutiert und verabschiedet. Die jahrelange konstruktive Zusammenarbeit und die erfolgreiche Entwicklung der gamescom waren dabei eine sehr wertvolle Basis für offene und ergebnisorientierte Gespräche. Viele Ergebnisse dieses konstruktiven Prozesses wird man in diesem und in den nächsten Jahren sehen.

Der game lobte kürzlich die Stadt Köln und das Land NRW für ihr Engagement für die gamescom. Welche Rolle spielte dies für die Vertragsverlängerung?

Felix Falk: Die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich bewiesen, dass ihnen der einzigartige Wert einer gamescom bewusst ist und sie zudem die Bedeutung unserer Branche für einen digitalen Wirtschaftsstandort verstanden haben. Unabhängig von der gamescom werden hier die Standortbedingungen für die Games-Branche immer weiter verbessert und auch das hat uns in unserer Wahl für den Standort Köln zusätzlich bestärkt. Stadt und Land werden an mehreren Stellen ihr Engagement auf der gamescom 2019 weiter ausbauen und auch das zeigt, dass dieses Interesse nachhaltig ist. Gleichzeitig freuen wir uns aber auch, dass die anderen Bundesländer keineswegs schlafen, sondern im Gegenteil ein Wettstreit um die besten Bedingungen für Games-Unternehmen im besten Sinne läuft. Das kann für die Branche und für die jeweiligen Standorte nur gut sein.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über den Termin Ende August diskutiert. Bleibt es bei dem Termin und welche Rolle spielen dabei die Sommerferien in NRW aber auch in anderen Bundesländern?

Christoph Werner: Der gamescom-Termin Ende August wurde mit dem game und der Branche abgestimmt. Er hat sich in den vergangenen Jahren bewährt und wird daher auch weiter beibehalten. Das bedeutet auch, dass ab 2020 die gamescom außerhalb der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen stattfinden wird. Ein starker Einfluss auf die Zahl der Besucher ist dennoch nicht zu befürchten: Einerseits, das zeigen unsere jährlichen Besucherbefragungen, ist der Anteil der Schüler vergleichsweise gering. Andererseits schaffen wir neue Angebote: Hierzu gehört das Abendticket, mit dem für sieben Euro ab 16 Uhr, also nach Schulschluss, noch die gamescom besucht werden kann. Zudem haben wir das Schulklassenticket eingeführt: Mit diesem Angebot können ganze Schulklassen die gamescom besuchen und hiermit nicht nur den gamescom campus besuchen, sondern auch die anderen Bereiche der entertainment area.

Einer der Hauptkritikpunkte 2018 waren die zu vollen Hallen und das Gedränge an einzelnen Messeständen. Mit welchen Maßnahmen reagieren sie auf diese Kritik?

Felix Falk: Wir haben nach der gamescom 2018 sehr genau auf das Feedback der Community geachtet. Unsere Schlussfolgerung: Für 2019 hat die Steigerung der Aufenthaltsqualität eine besonders hohe Priorität. Hierfür überarbeiten wir das gamescom-Konzept an vielen verschiedenen Stellen. Das bereits genannte Abendticket trägt ebenso zu einer Entzerrung der Besucherströme bei wie eine weiter verbesserte Wegeführung und eine noch durchdachtere Positionierung der besucherstarken Hotspots. Wir arbeiten parallel an weiteren Maßnahmen, um einen gamescom-Besuch zu ermöglichen, auf den sich Tausende Fans über viele Monate zu Recht freuen können.

Christoph Werner: Im letzten Jahr zeigte sich, dass die Besucherkonzentration oftmals temporär und dadurch bedingt war, dass viele Besucher zur gleichen Zeit die gleichen Ziele, also bestimmte Ausstellerstände oder Events, besucht haben. Um das zu vermeiden, werden wir in diesem Jahr Anpassungen bei der Aufplanung vornehmen, um so eine optimierte, räumliche Verteilung der Aussteller und Hotspots mit tendenziell hohem Besucheraufkommen zu erreichen. Zudem werden breitere Gangflächen, mehr und erweiterte Cateringflächen in den Hallen als zusätzliche Maßnahmen für eine bessere Aufenthaltsqualität umgesetzt. Aktuell planen wir mit mehr Bruttofläche für die gamescom 2019. Wir haben ja noch Spielraum: Das Kölner Messegelände umfasst 280.000 Quadratmeter, die gamescom hat 2018 eine Fläche von 201.000 Quadratmetern belegt. Perspektivisch bieten sich mit der Modernisierung des Geländes und den geplanten Neubauten im Rahmen von Koelnmesse 3.0 zudem neue Potentiale. Neben umfassenden Modernisierungs-Maßnahmen beinhaltet Koelnmesse 3.0 unter anderem eine neue Halle 1plus. mit 10.000 m² Ausstellungsfläche. Hinzu kommt das multifunktionale Confex als Verbindung von Konferenz und Exhibition. Davon wird auch die gamescom profitieren.

Seitens der Aussteller gab es zunehmend Kritik an steigenden Nebenkosten beispielsweise für Hotelzimmer. Lässt sich hieran überhaupt etwas ändern?

Christoph Werner: Die Hotelpreise zu Messezeiten sind in Köln, aber auch an anderen Messestandorten, immer wieder ein Thema. Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten hier gegenzusteuern und suchen aktiv den Dialog. Insbesondere unsere Partnerhotels, die Teil des Koelnmesse Hotelbuchungsportals sind, bieten sehr gute Konditionen. Daher ist mein Tipp, die Buchung der Hotels über die Website der gamescom vorzunehmen und die guten Konditionen des Hotelbuchungsportals zu nutzen. Generell möchte ich - bei aller Kritik - betonen, dass viele bestehende Häuser das große Ganze im Blick haben und sich zu preislicher Fairness verpflichten. Die öffentliche Diskussion und der Unmut unserer Kunden entzünden sich an den Ausreißern, die leider nicht aussterben. Gemeinsam mit der Stadt, KölnTourismus und der Wirtschaftsförderung freuen wir uns, dass 2018 zwei neue Hotels mit insgesamt 631 Zimmern in Köln eröffnet wurden, 2019 ein weiteres folgt und auch die Projektpipeline für die nächsten Jahre gut gefüllt ist. Bis 2021 rechnet Hotel Affairs Consulting mit über 2.200 zusätzlichen Hotelzimmern, die aktuell bereits im Bau oder in Planung sind. All das wird die Situation nachhaltig entschärfen.

Auf Seiten der Koelnmesse wurde kürzlich ein neuer Indie-Manager eingestellt. Was ist das Ziel dieser Personalie und ist ein weiterer Ausbau des Teams geplant? Und beim game wiederum ist die Stelle des Head of gamescom weiterhin vakant. Wie wirkt sich die Vakanz auf die Messevorbereitungen aus?

Christoph Werner: Die Einstellung von Johannes Brauckmann als Indie-Manager ist ein wichtiger Schritt, ein umfassenderes Angebot für Indie-Entwickler aufzubauen. Der Indie Arena Booth hat in den vergangenen Jahren eine hervorragende Arbeit geleistet und gehört zu Recht bei vielen gamescom-Besuchern zu den absoluten Pflichtbesuchen. Das Interesse an Indie-Games ist stark gestiegen und auch die Indie-Entwickler selbst haben großes Interesse an der gamescom. Aber nicht alle passen an den kuratierten Indie Arena Booth. Daher wollen wir das bestehende Angebot des Gemeinschaftsstandes um ein eigenes Angebot ergänzen. Die Einstellung von Johannes Brauckmann unterstreicht hierbei, wie wichtig uns die Weiterentwicklung der gamescom in diesem Bereich ist. Das Kernteam der gamescom aufseiten der Koelnmesse rund um Director Tim Endres wächst damit auf mehr als 15 Personen.

Felix Falk: Der Prozess der Suche nach einem 'Head of gamescom' ist noch nicht abgeschlossen aber deswegen bleibt bei der gamescom nichts liegen. Übersehen wird häufig, wie viele Menschen parallel an der gamescom arbeiten - sowohl bei der Koelnmesse als auch beim game. Allein bei uns in der Geschäftsstelle des game arbeitet so gut wie jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter an einzelnen gamescom-Projekten mit. Die Position 'Head of gamescom' ist insbesondere für die Weiterentwicklung der gamescom und als Bindeglied zwischen game und Koelnmesse wichtig und will daher auch mit Bedacht besetzt sein. Durch die intensive Zeit der Verhandlungen haben wir aber auf beiden Seiten in Geschäftsführung und Vorstand viel Arbeit investiert, so dass man sich gerade auch 2019 schon auf neue Projekte und Weiterentwicklungen freuen kann.

Die Verantwortung und Organisation der devcom wurde erst vor wenigen Monaten in eine neue Gesellschaft, in eine Tochter des game, überführt. Was bedeutet dies, für die Entwicklerkonferenz in diesem Jahr?

Felix Falk: Wir sind fest davon überzeugt, dass die gamescom-Woche gerade auch ein starkes Angebot für Spiele-Entwickler braucht. In den vergangenen zwei Jahren ist es uns bereits gelungen, mit der devcom ein eigenes Format zu etablieren. Jetzt müssen die nächsten Schritte folgen: Die devcom soll keine kleine Ergänzung in der gamescom-Woche sein, sondern eine international relevante Entwicklerkonferenz, die aufgrund attraktiver Themen, spannender Speaker und einem runden Gesamtkonzept Entwicklerinnen und Entwickler aus ganz Europa und der Welt anzieht. Um diese Ziele zu erreichen, haben wir die neue Gesellschaft gegründet und dadurch die Organisation der devcom besser mit der gamescom verzahnen können. Mit Stephan Reichart haben wir für unsere devcom-Tochtergesellschaft genau den richtigen Geschäftsführer gefunden, der mit seinem stark aufgestellten Team darauf brennt, viele neue Ideen umzusetzen.

Christoph Werner: Die Neuaufstellung der devcom-Organisation war ein wichtiger Schritt, der in dieser Struktur eine noch bessere Zusammenarbeit auch mit uns als Koelnmesse ermöglicht. Mit dem schlagkräftigen Team, dem sehr gut besetzen Core Advisory Board und dem erfahrenen Strategic Advisory Board sind bereits in wenigen Monaten wichtige Schritte gelungen, die genau in die richtige Richtung weisen. Viele der Neuerungen, die Stephan und sein Team entwickeln, wird es bereits in diesem Jahr zu erleben geben.

Der game ist nicht nur Eigentümer der Marke gamescom, er agiert als Konferenzveranstalter, hat einen eigenen Gemeinschaftsstand und ist in vielen Sonderbereichen wie dem gamescom congress engagiert. Besteht nicht die Gefahr, dass sich der game bei so vielen Baustellen auf einer Messe verzettelt?

Felix Falk: Als game sind wir bei vielen Projekten rund um die gamescom eingebunden. Als Verband der deutschen Games-Branche organisieren wir Services für unsere Mitglieder wie den Gemeinschaftsstand oder das Pitch & Match und nutzen die gamescom ganz maßgeblich für unsere vielfältigen Ziele in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dafür ist die gamescom der wichtigste Anlass in Deutschland. Zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr ist die Aufmerksamkeit von Journalisten, Politikern und anderen Branchen-fremden Akteuren für unsere Themen so hoch wie Ende August. Das haben wir in der Vergangenheit klug genutzt und müssen dies auch weiterhin tun. Die Erfolge der vergangenen Jahre, von der Förderung bis hin zum verbesserten Image von Games, sind sehr eng verknüpft mit unserer Arbeit rund um die gamescom. Gleichzeitig sind wir Mitveranstalter und in dieser Rolle wollen und müssen wir uns an der konzeptionellen Weiterentwicklung beteiligen, wozu eben auch Formate wie der gamescom congress und die devcom gehören.

Dass wir uns als game rund um die gamescom trotz unserer verschiedenen Rollen und der vielen Aufgaben nicht verzetteln, liegt vor allem an zwei ganz entscheiden Punkten: Einerseits haben wir mit der Koelnmesse einen starken und erfahrenen Partner. Weltweit gibt es genügend Beispiele von Verbänden und, die eigenständig große Event-Formate stemmen und wo die Verbände oder die Events unter dieser Last stark leiden. In dieser Struktur können wir uns als game aber gerade auch auf die Punkte konzentrieren, die für uns und damit die Games-Branche in Deutschland besonders wichtig sind. Der zweite Punkt ist unser Team in der Geschäftsstelle: Wir haben eine sehr gute und schlagkräftige Mischung aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nicht nur einfach Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet sind, sondern mit viel Leidenschaft und Dynamik die Projekte in ihren Bereichen vorantreiben. Und das gilt nicht nur für einzelne Köpfe, sondern für das gesamte Team. Ohne diese Power wäre unser gamescom-Pensum tatsächlich kaum zu stemmen.

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