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Intelligente Boxen tauchen auf

Sprachassistenten und Smart Speaker fristen schon lange kein Nischendasein mehr. Das belegen unter anderem Studien des Werbevermarkters RMS oder von Edison Research und NPR. Laut RMS kennen bereits 90 Prozent der 16- bis 69-Jährigen, die online unterwegs sind, mindestens einen Sprachassistenten.

12.02.2019 11:07 • von Jonas Kiß
Sind auf dem Vormarsch: Modelle von Marken wie Google, Sonos oder Amazon (Bild: Pixabay, Collage: MusikWoche)

Sprachassistenten und Smart Speaker fristen schon lange kein Nischendasein mehr. Das belegt eine Studie des Werbevermarkters RMS vom November 2018. Demnach kennen bereits 90 Prozent der 16- bis 69-Jährigen, die online unterwegs sind, mindestens einen Sprachassistenten. 40 Prozent der Befragten nutzen sie auch aktiv.

Während die Nutzer hauptsächlich auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop mit Alexa, Google oder Siri sprechen, wird es bei der Technologie in Verbindung mit Smart Speakern für den Musikkonsum erst richtig interessant. Laut RMS gibt es in Deutschland mittlerweile elf Millionen aktive Nutzer von intelligenten Lautsprechern wie Google Home, Amazon Echo oder Dot und Apple HomePod, wovon 10,2 Millionen in einem Haushalt mit Smart Speakern leben. Weitere sechs MillionenDeutsche wollen sich 2019 ein vernetztes Lautsprechersystem anschaffen.

»Die steigenden Wachstumszahlen der Smart Speaker machen deutlich, dass die Relevanz von Audio weiterhin dynamisch wächst«, erklärt Frank Bachér, Geschäftsleiter Digitale Medien bei RMS Radio Marketing. Denn 64 Prozent der Besitzer von Smart Speakern gaben in der Studie an, dass sie die Geräte zum Abspielen von Audioinhalten nutzen. Dazu zählen Radiosender, Streaming, die eigene Musikbibliothek, Podcasts und Hörbücher. Audio nimmt mit Abstand den ersten Platz im aktiven Umgangmit Smart Speakern ein. Mit 49 Prozent folgt dann erst die Wettervorhersage und dahinter die Ansage der Uhrzeit mit 38 Prozent.

Musikhören als beliebteste Funktion

»Werbetreibende müssen sich jetzt mit dem Thema Audio beschäftigen und ihre Marke hörbar machen«, sagt Frank Bachér. Das gilt auch für Musikfirmen, die sich fragen müssen, mit welchen Angeboten beziehungsweise Skills sie auf den Smart-Speaker-Boom reagieren können.Von Warner Music gibt es bereits einen Skill in Zusammenarbeit mit dem Sänger Michael Bublé. Unter dem Signalwort »Alexa, erzähl mir von Michael Bublé« liefert der Sprachassistent täglich Nachrichten, die der Künstler vorher aufgenommen hat und regelmäßig aktualisieren will. Zuvor hat Sony Music UK die Sprachtechnologie bereits bei Kampagnen der Sängerin Paloma Faith, der Girlgroup Little Mix und der Gospelgruppe The Kingdom Choir eingeführt.

Weltweit betrachtet lässt sich ein ähnliches Wachstum von Smart Speakern beobachten wie auf dem heimischen Markt. Das zeigt ein Blick in die Vereinigten Staaten, wo bisher am meisten der Geräte über die Ladentheke gingen. Laut einer repräsentativen Studie von Edison Research und der Medienorganisation NPR von Anfang 2019 besitzt bei den über 18-Jährigen in den USA inzwischen jeder Fünfte einen sprachgesteuerten Smart Speaker. Für den sogenannten »Smart AudioReport« wurden 1002 Teilnehmer aus den USA befragt. Hochgerechnet sollen demnach 53 Millionen US-Amerikaner mindestens einen Smart Speaker besitzen, was fast 21 Prozent der gesamten Bevölkerung ausmacht. Die Anzahl der sprachgesteuerten Geräte in den US-Haushalten wuchs laut der Studie von 66 Millionen im Dezembe r2017 innerhalb eines Jahres um 78 Prozent auf 118 Millionen im Dezember 2018.

Diese Beobachtung deckt sich mit der eingangs beschriebenenStudie von RMS. Während das Smartphone vier Jahre gebraucht hat, um 50 Millionen Menschen weltweit zu erreichen, schafften Smart Speaker diese Marke bereits innerhalb von einem Jahr. Die Grenze von 50 Millionen Nutzern ist laut Frank Bachér von RMS ein beliebter Wert, um die globale Verbreitung neuer Technologien zu messen. Das Fernsehen brauchte noch dreizehn Jahre, um weltweit auf 50 Millionen Nutzer zu kommen, dem Internet gelang dies schon in einer Zeitspanne von vier Jahren.

Dabei ist die Geschichte der Smart Speaker noch relativ jung. Der digitale Sprachassistent Siri wurde zwar schon vor einem guten Jahrzehnt mit dem iPhone verknüpft, doch erst Ende 2016 brachte Amazon mit dem Amazon Echo das erste intelligente Lautsprechersystem in Deutschland auf den Markt. Es folgten Google Home und Sonos sowie zuletzt im Frühjahr 2018 auch Apple mit dem Siri-gesteuerten HomePod. Amazon scheint also der Vorreiter auf dem Gebiet zu sein, während Apple erst spät auf den Trend reagierte.

Im Januar 2019 erklärte Dave Limp, der bei Amazon als Senior Vice Presidentof Devices & Services fungiert, im Gespräch mit dem US-Onlinedienst »The Verge«, dass inzwischen weltweitmehr als 100 Millionen vernetzte Gerätschaften mit der Alexa-Sprachsteuerung verkauft worden seien. Eine konkrete Zahl der abgesetzten Echo-Einheiten nannte der Amazon-Manager indes nicht. So dürften denn in die Summe der 100 Millionen Geräte mit der Alexa-Sprachsteuerungan Bord auch die Zahlen von Anbietern wie Sonos oder Bose mit eingerechnet sein, die die Assistenz-Software aus dem Hause Amazon für eigene Baureihen einsetzen.

Der kalifornische Audiogerätehersteller Sonos ging im Juli 2018 an die Börse, drei Monate nach Spotify. Die beiden Börsengänge zeigen, dass sowohl Musikstreaming als auch der damit verbundene Markt für Audiounterhaltung wächst.Während Streaming also ein treibender Motor für Smart Speaker ist, müssen Plattformen, Labels und Künstler umgekehrt auf die Sprachsteuerung reagieren und ihre Dienste für die intelligenten Lautsprecher optimieren - sei es im Hinblick auf die Kuration von Playlists, musikalische Stimmungen im Smart Home oder individuelle Angebote der Künstler an die Fans.