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Trotz NS-Symbolen: USK-Stempel für "Through the Darkest of Times"

"Through the Darkest of Times" ist bereits jetzt ein historisches Spiel. Es wird als das erste Game in die Geschichte eingehen, das von der USK trotz Darstellung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen eine Freigabe erteilt bekam. Die gamescom-Demo des Titels wurde "Ab 12" eingstuft.

15.08.2018 12:53 • von Daniel Raumer

Jetzt geht plötzlich alles doch recht schnell: Erst vor wenigen Tagen erlaubte eine Änderung der Rechtsauffassung der zuständigen Obersten Landesjugendbehörde, dass die USK fortan unter bestimmten Voraussetzungen die Sozialadäquanzklausel auch auf Games anwenden darf. Und nur wenige Tage später findet die neue Praxis bereits Anwendung: Die die gamescom-Demoversion von "Through the Darkest of Times" erhielt trotz Symbolen verfassungswidriger Organisationen eine Altersfreigabe "Ab 12".

Das Spiel stammt vom Berliner Entwickler Paintbucket Games und spielt während des Dritten Reichs. "Alle Handlungsoptionen im Spiel richten sich klar gegen das NS-Regime. Das USK-Gremium, bestehend aus vier unabhängigen Jugendschutzsachverständigen und einem ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden, sah die Sozialadäquanz sowohl in der eindeutigen Gegnerschaft zum Regime als auch darin begründet, dass die verwendeten Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen der Beschreibung von Vorgängen des Zeitgeschehens dienen. Die Kennzeichen werden zudem eindeutig im historischen Kontext verortet und eine Verharmlosung oder Verherrlichung des Nationalsozialismus ist in keiner Weise zu erkennen", so die USK in ihrer Mitteilung.

USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker erklärt: "Die Entscheidung, ein Spiel aufgrund der vorliegenden Sozialadäquanz zu kennzeichnen, ist ein wichtiger Schritt für die Gleichbehandlung von Games mit anderen Medienarten. Hier zeigt sich, dass Games nicht nur Kunst und Kulturgut sein, sondern sich auch pädagogisch wertvoll mit Zeitgeschichte auseinandersetzen können."

Die Entscheidung ist eine Zäsur. Bis dato wurden in Deutschland Games mit verfassungsfeindlicher Symbolik grundsätzlich keine Freigaben erteilt. Sich auf die Sozialadäquanz zu berufen, wie dies Filme und Serien beispielsweise tun, war Spieleherstellern aufgrund der gängigen Rechtsauslegung nicht ohne Risiko möglich. Die Tatsache, dass es nun neben der geänderte Rechtsauffassung sogar einen belegten Präzedenzfall für Games gibt, dürfte daher weitreichende Konsequenzen für die Industrie haben.