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Kommentar: Verbandsfusion 2.0?

Nach Maximilian Schenk verabschiedet sich auch Thorsten Unger aus der aktiven Verbandsarbeit. Zufall oder Vorbereitungen für einen zweiten Versuch die Interessen der Branche unter einem Dach zu einen? Ein Kommentar von Redaktionsleiter Stephan Steininger.

01.12.2016 15:32 • von

So viel ist gewiss: Die nächsten Wochen und Monate werden spannend in Sachen Verbandsarbeit. Erst erklärte BIU-Geschäftsführer Dr. Maximilian Schenk, dass er im Februar 2017 aufhört, nun legt auch sein Gegenüber beim GAME, Thorsten Unger, sein Amt als Geschäftsführer nieder. Die Nachfolge beider Spitzenfunktionäre ist bereits geregelt und sie drängt einem eine Vermutung auf: Es steht ein neuer Anlauf für eine Zusammenführung beider Verbände bevor.

Vor allem die Personalentscheidungen lassen diese Lesart zu: Während der GAME die Stelle von Unger nicht neu besetzen will, hat der BIU mit Felix Falk einen Schenk-Nachfolger ernannt, der auf beiden Seiten hoch geachtet wird. Als Geschäftsführer der USK war Falk selbst in der schwierigen Zeit nach dem Scheitern der Fusion so etwas wie der gemeinsame politische Nenner beider Verbände. Wenn jemand in der Lage ist, die eingerissenen Brücken wieder aufzubauen, dann er.

Die nicht besetzte Stelle auf der einen, der richtige Mann auf der anderen Seite - fast sieht es so aus, als haben BIU und GAME bereits eine gemeinsame Personalplanung aufgesetzt. Ob ein solch spekulativer Zusammenschluss aber als Fusion daherkommen würde oder auf anderem Wege, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Tatsächlich scheint es nämlich so, als müsste sich der GAME mit der Rolle des Junior-Partners zufrieden geben.

Der wichtigste Grund hierfür ist die finanzielle Basis. Die BIU-Mitgliedschaft vereint die finanzstärksten Firmen der deutschen Gamesbranche. Zudem ist der BIU Markeninhaber und damit Lizenzgeber der gamescom. Das sichert nicht unerhebliche Einnahmen. Der GAME hingegen muss sich bis dato ausschließlich über Mitgliedsbeiträge finanzieren. Die jetzt gegründete Servicegesellschaft verspricht zwar neue Einnahmen, doch wann und in welcher Höhe diese fließen, ist ungewiss.

Gleichzeitig kommen neue Kosten auf die Verbände zu. Jüngstes Beispiel ist der Deutsche Computerspielpreis. Die Politik fordert wie schon zu den Anfangszeiten des DCP eine Beteiligung von 50 Prozent aus der Branche. Den GAME bringt der DCP damit an den Rand seiner Möglichkeiten. Ein Rückzug würde den Verband jedoch ins politische Abseits stellen.

Und auch der BIU selbst hat die Position des GAME in den vergangenen 18 Monaten aktiv und massiv geschwächt. Über seine Netzwerke hat der BIU eine große Zahl Entwickler und Dienstleister an sich gebunden, darunter auch eine Vielzahl von GAME-Mitgliedern. Und als jüngstes Mitglied im Deutschen Kulturrat macht der BIU dem GAME auch dort Konkurrenz.

Doch egal wie "stark" die Zeichen auch sein mögen und selbst wenn sich meine Spekulation als wahr erweist, sicher ist noch lange nichts. Auch vor drei Jahren sah es lange danach aus, als wäre die Fusion quasi "durch", ehe der BIU sie im Februar 2014 überraschend abblies. Über die Hintergründe kann man noch heute sehr unterschiedliche Dinge von beiden Seiten hören.

Sollte die Branche aber tatsächlich einen zweiten Anlauf wagen, dann ist es im Interesse aller, dass er auch funktioniert. Ob Daten-, Verbraucher- und Jugendschutz in vielen Feldern wird sich die Branche alte Fragen neu gefallen lassen müssen. Und zum Teil ist das auch gerechtfertigt, wenn man sich die unglaubliche Immersion vor Augen führt, die Spiele dank Virtual Reality erreichen. Ein gescheiterter zweiter Fusionsanlauf, so viel ist ebenfalls gewiss, würde einen immensen politischen Flurschaden verursachen und die Einflussmöglichkeiten der Branche in Deutschland auf Jahre schwächen. Und dass können selbst die nicht wollen, die sich für Verbandsarbeit nicht interessieren.

Ihr

Stephan Steininger

Redaktionsleiter GamesMarkt