Games

Stellungnahme des Bundesverbands G.A.M.E.

12.11.2004 12:59 • von Tim Pototzki
Der bei PC Games/Computec Media AG angesprochene Förderantrag wurde im letzten Jahr auf der GC - Games Convention 2003, bereits über 6 Monate vor der Gründung von G.A.M.E., von über 40 Entwicklervertretern unterschrieben. Staatliche Unterstützung existiert in verschiedenen Formen auch für Entwickler in England, Frankreich, Kanada, den USA, Korea, Japan und jetzt auch China. In dem Förderantrag ist von einer 2 bis 3%igen Abgabe gemessen am Verkaufspreis eines Computerspiels die Rede, die zusammengeführt und dann für Spielentwicklungen in Deutschland wieder eingesetzt werden soll. Im Falle einer Realisierung würde die Vergabe von Fördermitteln durch ein paritätisch besetztes Gremium erfolgen. In einem gemeinsamen Prozess entscheiden u.a. Entwickler, Publisher und weitere Branchenvertreter über die Mittelverwendung. Hierbei ist zu beachten, dass die von der PC Games angesprochene Prototypenförderung nur ein Bereich darstellt. Ebenso sollen u.a. die Schwerpunkte Ausbildung und Referenzprodukte gefördert werden. Davon können also auch deutsche Topproduktionen wie Gothic, Sacred und FarCry profitieren. Ebenso ist es denkbar weitere Bereiche, wie z.B. den E-Sport zu unterstützen. So ähnlich wird es seit über 40 Jahren bei Filmen ebenfalls gehandhabt - von jeder Kinokarte gehen ca 2,7 Prozent an die deutsche Filmförderung (FFA), die diese Gelder wiederum an deutsche Filmproduzenten weitergibt.

G.A.M.E. geht es im Kern darum, das Thema Computerspiele aus Deutschland dem politischen Raum nahe zu bringen sowie eine Diskussion über eine Förderung der Entwicklung von Computerspielen in Gang zu setzen. Denkbar wären verschiedene Modelle, wobei die diskutierte Abgabe nur eine Möglichkeit ist. Wird eine Abgabe mit einer Verringerung der Umsatzsteuer gekoppelt, so ist es z.B. denkbar, dass Computerspiele für den Endkunden dadurch sogar billiger werden können. Selbstverständlich ist G.A.M.E. ALLEN Branchenvertretern gegenüber gesprächsbereit und hat das in teilweise lange zurückliegenden Kontaktaufnahmeversuchen auch mehr als einmal deutlich gemacht.

Die ursprünglich - strategisch - genannte Höhe der Sonderabgabe ist keine starre Zahl. Die Höhe muss so bemessen sein, dass für alle Branchenbeteiligten und Endkunden keine wesentliche Mehrbelastung entsteht. Realistisch zu nennen, wäre zur Zeit ein Anteil von unter 2%, wahrscheinlich eher um 1 % des Verkaufspreises, was bei einem Vollpreistitel von 49,95€ ein Betrag von etwa 50 Cent wäre - von einer dramatischen Verteuerung kann also beileibe keine Rede sein. Wir gehen begründetermaßen davon aus, dass der Verbraucher diese Veränderungen nicht spüren wird:

"Ein Großteil der Videospiele wird zu einem Preis von 39,99 €, 49,99 € oder 59,99 € an die Verbraucher verkauft. Diese Preise gelten allgemein als besonders attraktiv und gewährleisten einen höheren Umsatz. Eine Erhöhung der Preise um 1 € bis 2 € würde in vielen Fällen zur Überschreitung einer psychologisch wichtigen Schwelle und damit zu einem weitaus unattraktiveren Preis führen, der Umsatz würde entsprechend sinken. Aus diesem Grunde ist es unwahrscheinlich, dass der Handel die Endverbraucherpreise erhöhen würde. Letztlich trägt entweder der Händler oder - durch Preisdruck des Händlers - der Publisher die Sonderabgabe. "

Zitat aus Stellungnahme von EA, Konami, Microsoft, Nintendo, THQ, Ubisoft vom 6.10.2004 S. 10

Wir stimmen dieser Analyse der großen Publisher zu. Der Betrag würde zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern geteilt werden. Der Handel, der bei Computerspielen mit Margen von 35-40 % kalkuliert (Spiele sind eines der Produkte mit den höchsten Margen überhaupt) würde einen Teil tragen. Einen anderen werden die Publisher tragen müssen. Dabei darf man sich nicht blenden lassen: Die Rentabilität der großen internationalen Vertriebsunternehmen in Deutschland spiegelt wegen der hohen Steuerlast hierzulande regelmäßig nicht die realen Zahlen wieder (die z.T. zweistelligen Gewinne werden ins Ausland transferiert). Einen Anteil werden wahrscheinlich über gekürzte Royalties auch die Entwickler zahlen müssen.

Wir fordern ausdrücklich nicht explizit diese Sonderabgabe, sondern eine Bundesförderung der deutschen Entwickler. Über ihre letztendliche Gestalt entscheidet die Politik. Wegen des Föderalismus ist sie aber in ihren Handlungsmöglichkeiten auf Bundesebene begrenzt. Der Förderantrag ist jedoch - wie man jetzt sehr deutlich sieht - ein sehr effektives Mittel, um das Thema endlich dorthin zu bringen, wo es hin soll: In den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Hier geht es um Innovationsförderung in Deutschland in einer strategischen Schlüsselindustrie.

Steuererleichterungen, Fördertöpfe, Prototypenförderung, Arbeitsplatzunterstützungen etc. sind genauso probate Mittel, um Spielentwicklungen in Deutschland international zu stärken. Und eine "Spielentwicklung" in Deutschland käme Publishern, Entwicklern, Zulieferern und vielen Anderen zugute. Ohne eine deutsche Industrie ist z.B. für junge kreative Menschen, die nicht nur spielen, sondern selber gerne Computerspiele entwickeln wollen, keine Ausbildung möglich. Außerdem verschließen wir uns nicht den Ideen, in die Förderung auch Marketing und Vertrieb einzubeziehen.

Deutschland ist international gesehen ein reiner Absatzmarkt und, mit ca. 1,7 Milliarden Euro Umsatz, einer der größten der Welt. Dieser Markt wird zu 95% durch internationale Titel bestimmt, die entsprechenden Umsätze aus der Wertschöpfung fließen daher ins Ausland und werden dort re-investiert. Schon jetzt sind unsere Chancen, einen Titel zu produzieren, der internationalen Ansprüchen gerecht wird, gering. Ein international entwickelter Vollpreistitel hat Etats zwischen 2 und 20 Millionen Euro zur Verfügung; außer Spielen wie etwa Siedler und Far Cry haben nur wenige deutscher Titel des letzten Jahres die 2 Millionen € Grenze bei den Entwicklungskosten überschritten. - Ohne eine Förderung werden es aus Deutschland in absehbarer Zeit nur mehr sehr wenige Studios schaffen, Titel international zu platzieren. Allein die Hürde für PS3, XBOX2 etc. zu entwickeln, sind so hoch, dass kaum ein deutsches Studio derzeit ein entsprechendes Approval besitzt.

Tatsächlich sind wir die einzige große Industrienation, die - noch - über keine nennenswerte eigene Produktion verfügt. Für Importeure ideal! Sicherlich wäre es manchen am liebsten, dass es dabei bliebe.

Die PC Games hat es ja selbst aufgezählt, und sich damit auch schon selbst entblößt: Die Liste der 'tollen' Titel aus Deutschland beschränkt sich lt. PCG auf Far Cry, Gothic und X. Weitere Titel wie Anno oder Siedler, vielleicht auch Spellforce, welche hier zwar gut verkauft haben, international aber weniger erfolgreich abschnitten. Im selben Zeitraum kamen jedoch aus europäischen Nachbarländern nicht 3 oder 4 Topseller, sondern schon eher 30 oder 40! Nicht nur zufälligerweise gibt es in den entsprechenden Ländern eine staatliche Entwicklungsförderung.

Spiele zu entwickeln kostet sehr viel Geld. Vom Erlös durch den Verkauf bekommt der Entwickler aber nur einen Bruchteil. Das meiste Geld landet beim Handel, bei den Distributoren und bei den Publishern. Der Sinn der Förderabgabe ist es, einen kleinen Teil von diesem Geld, das von Deutschen Kunden bezahlt wurde und ohnehin zu 95% ins Ausland abfließt, wieder hierzulande zu investieren, damit wieder mehr Menschen in dieser Branche Arbeit finden. Es sollen einfach mehr Spiele in Deutschland produziert werden. Das allein ist der Sinn, und davon profitiert der gesamte Wirtschaftsstandort Deutschland.

Ebenso ist die Darstellung, dass bereits ein gutes Konzept die Aufmerksamkeit und Unterstützung eines Publishers sichert, so nicht zutreffend. In der Realität gehen auch deutsche Entwicklungsstudios sehr hohe finanzielle Risiken während der Vorproduktion ein. Während der Vorproduktion werden u.a. über Monate spielbare Prototypen, technische Designdokumente, Game Designdokumente und weitreichende Grafiken sowie Spitzentecholgien wie 3D-Grafikengines produziert - die Kosten hierfür liegen oftmals gut im sechsstelligen Bereich. Wir wünschen uns, dass durch eine entsprechende Förderung mehr kreative und talentierte Entwickler die Chance bekommen, ihre Produktideen marktgerecht aufzubereiten.

Es ist für uns leider nicht nachvollziehbar, warum die Computec Media AG in der ursprünglichen Petition (die übrigens seit der Veröffentlichung anscheinend wegen des Protestes von verschiedenen Seiten schon mehrfach entschärft und umformuliert wurde!!) versucht, die Gamer mit Horrormeldungen und Polemiken über deutsche Produkte ('Siedler in Lederhosen?') und 'erhebliche Verteuerungen' gegen den Entwicklerverband und diese Förderinitiative aufzubringen.

Das vorgebrachte Argument der Gefährdung der kostenlosen Cover-CD, ist unter oben genannten Gesichtspunkten für GAME ebenfalls nicht nachvollziehbar. Ebenso bedauern wir, dass wir im Vorfeld nicht einmal von der PC Games zu diesem Thema angesprochen wurden! Ein Dialog sollte offensichtlich nicht stattfinden und dies guten, objektiven Journalismus zu nennen, fällt uns schwer.

Wir können daher nur bitten, diese Art der Darstellung zu hinterfragen. Wir laden alle Gamer und alle beteiligten Parteien zur konstruktiven Diskussion ein und bitten vor allem darum, auch die andere Seite anzuhören. Wir entwickeln unsere Produkte schließlich nicht für die PC Games, sondern für Gamer.

G 11. November 2004